Lorraine Media entkräftet Vorwürfe!

Keine Unwirksamkeit, keine arglistige Täuschung, keine Anfechtung möglich, Verträge sind nicht sittenwidrig nach § 138, kein Wucher, kein Widerruf, keine zusätzliche Freigabe erforderlich § 640, keine Zustimmung des Vaters erforderlich, da Lorraine Media keine Verträge mit Minderjährigen schlisst, sondern mit den Eltern.

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Urteil des
Amtsgericht Stuttgart

Aktenzeichen:  9 C 278/16

In dem Rechtsstreit

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~ Klägerin –

gegen

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Vertreten durch Rechtsanwalt…………..

 

Im Namen des Volkes

Urteil

 

hat das Amtsgericht Stuttgart durch die Richterin am Amtsgericht Mosthaf am 07.04.2016 ohne mündliche Verhandlung gemäß § 495a ZPO für Recht erkannt:

  1. Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 498,00 € nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit 18.02.2016 zu bezahlen.
  2. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
  3. Die Beklagte hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
  4. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Beschluss

Der Streitwert wird auf 498,00 € festgesetzt. (abgekürzt nach § 313a Abs. 1 ZPO)

 Entscheidungsgründe

 Gemäß § 495a ZPO bestimmt das Gericht das Verfahren nach billigem Ermessen. Innerhalb dieses Entscheidungsrahmens berücksichtigt das Gericht grundsätzlich den gesamten Akteninhalt.

I.

Die Beklagte ist verpflichtet, gemäß der vertragliChen Vereinbarung vom 19.1.2013 den Betrag LH.v. 498,00 € gemäß § 631 Abs. 18GB zu bezahlen.

1.

Zwischen den Parteien ist ein wirksamer Werkvertrag zustandagekommen, der auch nicht wirksam angefochten, außerordentlich fristlos gekündigt oder widerrufen wurde. Da der Vertrag zwischen der Klägerin und der Beklagten, nicht zwischen der Klägerin und der minderjährigen Tochter der Beklagten zustandegekommen ist, kommt es auch nicht darauf an, ob der Vater der Tochter der Beklagten den Vertrag nachträglich genehmigt hat oder nicht. Die Vorschriften der §§ 107 ff. BGB sind auf den vorliegenden Fall daher nicht anzuwenden. Vorliegend geht aus der Vertragsvereinbarung vom 19.1.2013 eindeutig hervor, dass Kunde die Beklagte sein sollte und das abgebildete Modell die minderjährige Tochter der Beklagten sein sollte.

Zwar steht es dem Vater der Tochter jederzeit frei, seine Einwilligung in die Veröffentlichung der Bilder seiner Tochter zu verweigern. Dies ändert aber nichts an der Wirksamkeit des Vertrags, der zwischen der Klägerin und der Beklagten geschlossen wurde. Die Beklagte iSt, auch wenn die Fotos aufgrund der Forderung des Vaters, dass die veröffentlichten Fotos zurückgezogen werden, zur vereinbarten Vertragsleistung verpflichtet. Eine durch die Klägerin verursachte Unmöglichkeit der Vertragsleistung durch eine mögliche Forderung auf Nichtveröffentlichung der Fotos liegt vorliegend nicht vor.

2.

Der Vertrag ist auch nicht gemäß § 22 KunstUrhG LV.m § 134 BGB unwirksam. Die fehlende Zustimmung des Vaters der Tochter führt nach dieser Vorschrift, wie bereits dargestellt, zwar dazu, dass der Vater eine Bildnisveröffentlichung beanstanden kann. Dies führt aber nicht dazu, dass der zu Grunde liegende Vertrag, der zwischen der Mutter der Tochter und der Klägerin geschlossen wurde, unwirksam wird.

3.

a) Das Gericht kann auch nicht erkennen, dass vorliegend durch den Vertragsschluss ein Verstoß gegen die guten Sitten gemäß § 138 BGB vorliegt. Vorliegend wurde ein Werbe-und Anzeigenauftragfür die. Veröffentlichung von Fotos der Tochter der Beklagten zwischen der Beklagten und der Klägerin vereinbart. Es wurden Fotos auftragsgemäß angefertigt und, wie im Vertrag vereinbart, veröffentlicht. Dass hierin ein Verstoß gegen die guten Sitten zu sehen ist, ist vorliegend nicht zu erkennen. Allein die fehlende Zustimmung des Vaters der Tochter in die Veröffentlichung von Fotos führt nicht dazu, dass von einem Verstoß gegen die guten Sitten auszugehen ist.

b) Dass der Vertrag gemäß § 138 BGB wegen Wuchers unwirksam ist, ist vorliegend auch nicht erkennbar. Allein der Vortrag, dass der zwischen der Klägerin und der Beklagten vereinbarte Preis in Höhe von 498,00 € unverhältnismäßig sei, begründet noch nicht die Unwirksamkeit der Vertragsvereinbarung.

Grundsatz ist die Privatautonomie der Parteien. Dabei obliegt es den- Parteien,

sich über einen Preis zu einigen. Die Beklagte hat dem vertraglich festgesetzten Preis durch ihren ihre Unterschrift zugestimmt. Daher führt nicht jede Preisabrede, die teurer ist als üblich, zur Unwirksamkeit der Vereinbarung. Nur unter der Voraussetzung, dass ein Wucher vorliegt im Sinne des § 138 BGB, führt dies zur Unwirksamkeit der Preisvereinbarung. Vorliegend ist jedoch ein solcher Wucher nicht allein dadurch vorgetragen, dass die Beklagte von einem unverhältnismäßigen Preis spricht. Andere Umstände sind nicht dargelegt und auch nicht zu erkennen.

4.

Der Vertrag ist auch nicht wirksam gemäß-§ 312 Abs. 1 Nr. 2 a.F. BGB widerrufen worden. Der Vortrag der Beklagten, dass sie im Rahmen einer Freizeitveranstaltung zum Vertragsschluss veranlasst wurde, ist unsubstantiiert und führt nicht zur Annahme eines Widerrufsrechts. Es kann daher dahingestellt bleiben, dass der Vortrag der beklagten Partei von der Klägerin bestritten worden ist.

Vorliegend ist schon nicht vorgetragen, inwiefern hier ein Freizeitangebot mit einem Verkaufsangebot miteinander verwoben war. Aus dem Vortrag der Beklagten geht lediglich hervor, dass die Klägerin im Foyer eines Hotels ein Foto-Shooting veranstaltete und im Rahmen dieses Fotoshootings den vorliegenden Werbe-und Anzeigenvertrag mit der Beklagten schloss. Die Beklagte hat nicht vorgetragen, dass sie an einer Freizeitveranstaltung in der Erwartung eines Freizeitvergnügens teilnahm, um dann im Rahmen dieser Freizeitveranstaltung zum Vertragsschluss überredet worden zu sein bzw. sich verpflichtet gefühlt zu haben, den vorliegenden Vertrag zu schließen.

Voraussetzung für die Anwendung des § 312 Abs. 1 Nr. 2 a.F. BGB ist, dass Freizeitangebot und Verkaufsangebot derart organisatorisch miteinander verwoben sind, dass der Kunde im Hinblick auf die Ankündigung und die Durchführung der Veranstaltung in eine freizeitlich unbeschwerte Stimmung versetzt wird und sich dem auf einen Geschäftsabschluss gerichteten Angebot nur schwer entziehen kann (BGH, Urteil vom 28.10.2003 – X ZR 178/02). Dafür ist erforderlich, dass mit dem eigentlichen gewerblichen Angebot nicht in Zusammenhang stehende attraktive Leistungen wie etwa Kaffeefahrten, Reisen und ähnliches den Kunden über den Hauptzweck der Veranstaltung hinwegsehen lassen und ihn den Verkaufsabsichten gewogen machen, wobei die Auswahl von Zeit und Ort der Veranstaltung es dem Kunden erschwert, sich den Verkaufsbemühungen zu entziehen (BGH, NJW 1992, 1889). Dies ist vorliegend an hand des Beklagtenvortrags nicht zu erkennen. Es fehlt am Vortrag einer derartigen Verknüpfung von Freizeitcharakter und gewerblichen Angebots. Nach dem Vortrag der Beklagten handelte es sich um eine Veranstaltung, bei der es darum ging, dass Fotos angefertigt wurden zwecks Werbe-und Anzeigenschaltung. Im Rahmen dieser Veranstaltung hat die Beklagte den streitgegenständlichen Vertrag unterzeichnet.

Dass irgendeine Verknüpfung zwischen Freizeitvergnügen und rechtsgeschäftlicher

Beziehung zu Stande kam, ergibt sich nicht aus dem Vortrag der Beklagten. Das Gericht vermag auch nicht den Unterschied zu erkennen, ob hier der Erwerbszweck im Vordergrund stand oder eine etwaige signalisierte Chance, als Model in Erscheinung zu treten. Letzten Endes ging es darum, dass mit den Bildern erreicht werden sollte, auf die fotografierten Personen mittels Veröffentlichung aufmerksam zu machen, um gegebenenfalls Aufträge als Model o.ä. zu erhalten. Dies war Sinn und Zweck des Fotoshootings und auch Sinn und Zweck des abgeschlossenen Vertrags.

Zwei unterschiedliche Ebenen, eine Freizeitebene und eine rechtsgeschäftlichen Ebene,

können vorliegend daher nicht erkannt werden, ebensowenig ist nach dem Vortrag der Beklagten zu erkennen, dass in irgendeiner Art die gewerbliche Absicht in Zusammenhang mit einer attraktiven Leistung verschleiert oder verdrängt werden sollte, was den Kunden über den Hauptzweck der Veranstaltung hinwegsehen ließ und ihn dazu bringen sollte, den Verkaufsabsichten näherzutreten

(vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2003 – X ZR 178/02).

5.

Auch das Schreiben vom 28.1.2013, in dem die Anfechtung des Anzeigenauftrags erklärt bzw. eine außerordentliche fristlose Kündigung erklärt werden sollte, führten nicht zur rückwirkenden Aufhebung des Vertrags. Ein Anfechtungsgrund lag nicht vor. Der Vertragstext, den die Beklagte am 19.1.2013 unterschrieben hat, ist klar verständlich. Anhaltspunkte für eine arglistige Täuschung sind ebenfalls nicht vorgetragen.

Wenn die Beklagte nun vorträgt, dass sie einen solchen Vertrag nicht abschließen wollte, liegt der Fall einer unbeachtlichen Vertragsreue bzw. eines unbeachtlichen Motivirrtums vor.

6.

Das Bestreiten der Beklagten mit Nichtwissen, dass die Klägerin ihre Vertragspflichten von Anfang an erfüllt hat, ist vorliegend nicht zulässig. Die Beklagte hatte jederzeit die Möglichkeit, die Vertragserfüllung durch die Klägerin zu überprüfen. Dass sie im Jahr 2013 nach Anfertigung der Bilder diese überprüfung vornahm und feststellte, dass die Bilder entgegen der vertraglichen Verpflichtung nicht veröffentlichen waren, ist nicht vorgetragen. Es kann daher dahingestellt bleiben, ob die Bestimmung in Ziffer c) der Allgemeinen Geschäftsbedingungen wirksam ist oder nicht.

Denn schon der Vortrag der Beklagten, dass die Vertragserfüllung durch die Klägerin mit Nichtwissen bestritten wird, ist unsubstantiiert.

7.

Vorliegend scheitert die Fälligkeit des Vergütungsanspruchs auch nicht an einer fehlenden Abnahme im Sinne des § 640 BGB. Laut Vertragsvereinbarung war vorgesehen, dass eine Fotoserie angefertigt, fünf Bilder der Serie digitalisiert und ausgewählt und anschließend veröffentlicht werden. Es war nicht vereinbart, dass die Fotos vorher ‘von der Beklagten freigegeben werden müssen, um einen Vergütungsanspruch zti begründen. Eine Abnahme im Sinne des § 640 BGB

im Sinne einer Freigabe entsprach daher nicht dem Vertragscharakter. Ein Verstoß gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht, indem ohne vorherige Freigabe Fotos

veröffentlicht wurden, ist vorliegend nicht zu erkennen. Grundsätzlich kann der Beklagten natürlich nicht das Recht versagt werden, bei objektiv schlechten Aufnahmen, auf denen sie bzw. ihre Tochter kaum bzw. schlecht abgebildet ist, nach Veröffentlichung einen Austausch von Fotos zu fordern. Dies ist vorliegend aber nicht streitrelevant. Dass die Beklagte grundsätZlich vor Veröffentlichung zunächst die Fotos freigeben muss, ist aus Persönlichkeitsrechtsgründen nicht erforderlich, nachdem sie im Vertrag vom 19.1.2013 explizit der Anfertigung einer Fotoserie, der Fotoselektion und der Veröffentlichung im Internet zugestimmt hat. Der Grundsatz der Privatautonomie der Vertragsparteien hat auch vorliegend zu gelten. Hätte die Beklagte eine vorherige Freigabe der Bilder gewünscht, so hätte sie dies vertraglich vereinbaren müssen.

8.

Der Vortrag der Beklagten, dass die Fotos mangelhaft, da” blässlich und unscharf” seien, ist unsubstantiiert.

Wenn bestritten wird, dass die Klägerin ihre vertragliche Verpflichtung im Hinblick

auf die Fotoqualität erfüllt hat, so ist erforderlich, dass darlegt wird, inwiefern diese Pflicht nicht erfüllt worden ist. Anhand der vorgelegten Fotos (An!. K2) vermag das Gericht den Vortrag der Beklagten nicht nachzuvollziehen.

Die Verurteilung zur Zahlung der Zinsen gründet sich auf § 291 BGB. Der darüber hinausgehende Antrag der Klägerin auf Zahlung von Zinsen seit Zustellung des

Mahnbescheids war zurückzuweisen. Die Klägerin hat nicht vorgetragen, dass die Beklagte vorgerichtlich in Verzug gesetzt wurde. Dass eine Zeit nach Kalender bestimmt war, ist ebenfalls nicht vorgetragen. Die Bestimmung in Buchstabe d) der AGB, wonach der zu zahlende Gesamtbetrag innerhalb von zehn Tagen nach Unterzeichnung der Vereinbarung fällig ist, stellt keine kalendermäßige Zeitbestimmung im Sinne des § 2868GB dar, so dass eine Mahnung erforderlich gewesen wäre, um die Beklagte in Verzug zu setzen. Eine solche ist jedoch nicht vorgetragen. Zinsen können daher nicht als Verzugsschaden gemäß §§ 280, 286, 288 BGB geltend gemacht werden, sondern nur gemäß § 291 BGB. Zwar wurde der Mahnbescheid am 19.4.2013 zugestellt.

Der Anspruch wurde aber erst durch Schriftsatz vom 8.2.2016, eingegangen am 11.2.2016, begründet. Demgemäß wird die Rechtshängigkeit nicht auf die Zustellung des Mahnbescheids zurückgezogen, da der Rechtsstreit nicht “alsbald” nach Widerspruchseinlegung ins Streitverfahren gemäß § 696 Abs. 3 ZPO abgegeben wurde.

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 92 Abs. 2 Nr. 1, 269 ZPO. Die neben der Hauptforderung im Mahnbescheid geltend gemachten Mahn-und Auskunftskosten sind von der Klägerin im streitigen Verfahren nicht weiterverfolgt worden, so dass diesbezüglich von einer Klagerücknahme gemäß § 269 ZPO auszugehen ist. Die Höhe der Nebenforderungen ist aber gemäß § 92 Abs. 2 Nr.1 ZPO verhältnismäßig geringfügig.

Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit hat ihre Rechtsgrundlaga in den §§ 708 Nr. 11,713 ZPO.

IV.

Die Berufung wird nicht zugelassen, da es sich um einen Einzelfall ohne grundsätzliche Bedeutung handelt.

Rechtsbehelfsbelehrung:

Gegen die Entscheidung, mit der der Streitwert festgesetzt worden ist, kann Beschwerde eingelegt werden, wann der Wert des Beschwerdegegenstands 200 Euro Übersteigt oder das Gericht die Beschwerde zugelassen hat.

Die Beschwerde ist binnen sechs Monaten bei dem

Amtsgericht Stuttgart

Hauffstraße 5

70190 Stultgart

einzulegen.

Die Frist beginnt mit Eintreten der Rechtskraft der Entscheidung in der Hauptsache oder der anderweitigen Erledigung des Verfahrens. Ist der Stroitwert später als einen Monat vor Ablauf der sechsmonatigen Frist fostgesetzt worden, kann die Beschwerde noch innerhalb eines Monats nach Zustellung oder formloser Mitteilung dos Festsetzungsbeschlusses eingelegt werden. Im Fall der formlosen Mitteilung gilt der Beschluss mit dem dritton Tage nach Aufgabe zur Post als bekannt gemacht.

Die Beschwerde ist schriftlich einzulegen oder durch Erklärung zu Protokoll der Geschäftsstelle des genannten Gerichts. Sie kann auch vor der Geschäftsstelle jedes AmtsgeriChts zu Protokoll erklärt werden; die Frist ist jedoch nur gewahrt, wenn das Protokoll rechtzeitig bei dem oben genannten Gericht eingeht. Eine anwaltliche Mitwirkung ist nicht vorgeschrieben.

Mosthaf

Richterin am Amtsgericht

Beglaubigt

Stuttgart, 12.04.2016

Anstelle der Verkündung zugestellt an

die Klagopartei am die beklagte Partei am Bauer, JFAng’e

Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

Durch maschinelle Bearbeitung beg laub

– ohne Unterschrift gültig

 

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